Wer ist Molly?

Poecilia latipinna

Breitflossenkärpfling (engl. sailfin molly)

Molly ist ein Breitflossenkärpfling (Poecilia latipinna), im Englischen auch sailfin molly genannt. Breitflossenkärpflinge sind beliebte, kleine, neotropische Zierfische, die unter Aquarianern auch gerne als Mollys bezeichnet werden, daher der Name Molly.

Breitflossenkärpflinge gehören, wie auch Guppys und Platys, zur Familie der lebendgebärenden Zahnkarpfen (Poeciliidae) und leben in kleineren Seen und Flüssen. Breitflossenkärpflinge sind euryhalin, das heißt sie haben eine hohe Toleranz gegenüber der Salzkonzentration eines Gewässers und sind daher sowohl im Süß-, als auch im Brackwasser zu finden. Lebendgebärende Zahnkarpfen zeichnen sich durch innere Befruchtung und, bis auf eine Ausnahme (Tomeurus gracilis), durch vollentwickelt und lebend geborene Jungfische aus. Die Tragzeit der Eier beträgt dabei etwa 30 Tage. Um die innere Befruchtung gewährleisten zu können, besitzen Männchen eine zu einer Art Röhre umgewandelte Afterflosse, das Gonopodium, womit die Spermien in das Weibchen übertragen werden.
Das Gonopodium ist ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zwischen Männchen und Weibchen. Außerdem zeigen Breitflossenkärpflinge einen deutlichen Geschlechtsdimorphismus, wobei Männchen sich durch eine meist große,

Abbildung 1. Breitflossenkärpflinge. Männlicher (links) und weiblicher (rechts) Breitflossenkärpfling.

segelförmige und stark gefärbte Rückenflosse, sowie eine vergrößerte und gefärbte Schwanzflosse auszeichnen (Abbildung 1). Häufig zeigen Männchen zusätzlich dunkle Balken auf der Körperseite. Wie stark die Färbung und die Flossengröße ausfallen, hängt dabei von der Dominanz des Männchens sowie seiner Fortpflanzungsstrategie ab. Männchen balzen entweder aktiv um Weibchen, indem sie vor ihnen herschwimmen und dabei ihre aufgestellte Rückenflosse präsentieren, oder sie erzwingen eine Kopulation mit dem Weibchen ohne jegliches Balzverhalten. Die balzenden Männchen sind in der Regel auffälliger gefärbt.

 

Breitflossenkärpflinge leben in kleineren Gruppen. Weibchen, wie auch Männchen, wählen ihre Paarungspartner aufgrund von persönlicher Information, indem sie potentielle Partner beobachten und bewerten. Es konnte jedoch gezeigt werden, dass sie außerdem auf soziale Information bei der Partnerwahl zurückgreifen, indem sie die Wahl ihrer Artgenossen im Schwarm beobachten und diese Wahl dann entsprechend kopieren. Das Kopieren der Partnerwahl stellt eine faszinierende alternative Partnerwahlstrategie dar und zeigt, dass nicht allein eine Prädisposition der Gene, sondern dass auch soziale Faktoren Einfluss nehmen können für die Wahl, aber auch für die Ablehnung eines Partners. Welche Faktoren entscheidend dafür sind, dass die Wahl eines Artgenossen kopiert wird, erforschen wir im Institut für Biologie der Universität Siegen.

Mehr Infos zur Forschung am Institut für Biologie

© 2016 by Stefanie Gierszewski
Virtual Fish Project, University of Siegen, Siegen, Germany.

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